de Leeuw, Jan – Eisvogelsommer

Eisvogelsommer von Jan De Leeuw

Der Tod ist ein Thema über das nicht gerne gesprochen wird. Der belgische Autor Jan de Leeuw beschäftigt sich in seinem Werk “Eisvogelsommer” mit diesem Thema. Er lässt die Hinterbliebenen auf ihrer Art mit dem Verlust mehr oder weniger gut zurechtkommen. Sie begegnen dem Tod durch einen schrecklichen Verlust und lernen das Leben neu kennen. Für mich war dieses Werk ein sehr poetisches, aber an manchen Stellen auch schwierig zu nehmendes Werk.

Thomas wird, als er mit dem Fahrrad unterwegs war, von einem LKW überfahren und viel zu früh aus dem Leben gerissen. Seine Familie und seine Freundin Orphee leiden sehr unter dem Verlust. Doch besonders Thomas Mutter, sein Großvater und Orphee spüren immer noch Thomas’ Präsenz. Sie sprechen mit ihm, sie erzählen ihm Geschichten. Aus Thomas Sicht erfahren wir über diese Begegnungen und hören die Geschichten aus der Vergangenheit der Familie. Eine Familie, die viel zu oft mit einem frühen Tod konfrontiert wurde.

Jan de Leeuw schrieb mit “Eisvogelsommer” ein sehr berührendes Buch, welches mich an manchen Stellen auch schwer schlucken ließ. Der Autor verwendet eine tolle Form der Sprache, sehr poetisch und irgendwie auch überwältigend. Man kann gar nicht anders als in die Handlung einzutauchen und die tiefe Trauer der Hinterbliebenen mitzuerleben. Für die ist es nicht leicht, mit dem Verlust klarzukommen und jeder für sich sucht sich seinen Weg. Ob es nun die Ignoranz von Gefühlen, die Schaffung einer fast schon zur Heiligkeit anmutenden Sammlung der zurückgelassenen Dinge des Toten oder das Verlieren des Hier und jetzt und flüchten in alte Zeiten ist. Es ist bei jedem eine Form der Trauerbewältigung zu spüren.

Dieses Buch verblüfft auf eine besondere Art und schafft einen Raum für die Gedanken, an die man vielleicht nicht unbedingt tagtäglich denkt. Der Tod ist halt kein alltägliches Thema. Und dann sind da noch Orphee und Thomas, ein Liebespaar, dessen Gefühle nicht so plump hervorstechen, aber doch spürbar sind. Orphee geht beinahe kaputt am Verlust und verschließt sich komplett von der Außenwelt. So habe ich sie jedenfalls wahrgenommen.

Das “Eisvogelsommer” für den diesjährigen Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde, kann ich sehr gut verstehen. Es besticht mit außergewöhnlichen und realistischen Charakteren und die Sprache, die der Autor verwendet kann ich nur als besonders beschreiben. De Leeuw erzählt bildlich und schenkt seinem Protagonisten Thomas einen schönen Sinn für Humor und eine gute Beobachtungsgabe. Man erhält einen guten Einblick in die Seelen der Menschen in diesem Buch und lernt zu verstehen, dass das Leben so schön sein kann, wenn man es mit Liebe, Vertrauen und den richtigen Menschen füllt. Dieses Buch ist sehr eindrucksvoll und verdient auf jeden Fall viel mehr Aufmerksamkeit, die es Dank des Jugendliteraturpreises auch hoffentlich bekommen wird. Aber so eindrucksvoll vieles auch ist, so schwer zu lesen war es für mich an manchen Stellen. Vielleicht lag es auch an meiner Konzentration, deshalb will ich es der Geschichte nicht ankreiden. Denn sie hat es einfach nicht verdient.

Fazit

“Eisvogelsommer” ist eine besondere Geschichte, die teilweise sehr nahe geht, aber mich an manchen Stellen auch etwas schwierig zu lesen war. Aber dennoch konnte mich Jan de Leeuw mit seinem Werk überzeugen. Es besticht durch einen außergewöhnlichen und poetischen Schreibstil. Das Thema Tod schwebt über die gesamte Handlung und doch lehrt das Buch auch wie schön das Leben sein. Es ist ein intensives Buch mit einer kraftvollen Sprache, die beeindruckt und mitreißt. Aber auch sehr berührt und zum Nachdenken anregt.


Jan De Leeuw – Eisvogelsommer
aus dem niederländischen von Rolf Erdorf

  • ISBN: 978-3-8369-5841-7
  • Seiten: 256
  • Erscheinungsdatum: 25. Januar 2016
  • Verlag: Gerstenberg
  • Preis: 16,95€

Verlagsseite des Buches

 

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One thought on “de Leeuw, Jan – Eisvogelsommer

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