Abécassis, Éliette & Lacombe, Benjamin  – Der Schatten des Golem

Ich bin ein Fan des französischen Zeichners und Autors Benjamin Lacombe, seit mich meine Freundin Ina auf ihn aufmerksam gemacht hat. Daher freute es mich besonders, dass ich dieses Buch lesen durfte. Die Werke von Lacombe sind immer was besonderes. Gemeinsam mit der Autorin Éliette Abécassis wurde nun diese wunderbare Geschichte geschaffen, die einer alten Legende entspricht. Aber lest selbst…

Zelmira wächst in den Straßen von Prag auf. Als sie ein heimliches Ritual des Rabbi Löw beobachtet und sieht wie ein Golem erschaffen wird, ist sie neugierig. Der Golem soll die jüdische Gemeinde im Ghetto von Prag beschützen. Zelmira ist ganz angetan von dem Wesen und versucht sich ihm anzunähern. Sie ahnt nicht, dass dies kein gutes Ende haben wird. Die Geschichte der kleinen Zelmira wurde in einer mystischen und auch sehr spannenden Weise erzählt. Das Mädchen wächst in einer Alchimistenfamilie auf. Dort wird nicht besonders liebevoll mit ihr umgegangen, weshalb sie irgendwann viel mehr Zeit beim Rabbi und seiner Frau verbringt. Der Golem fasziniert das kleine Mädchen von Beginn an, weshalb sie auch immer wieder versucht, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Ihre kindliche Neugierde ist es, was dieses Buch durchweg erhellt.

Das der Rabbi Löw im 16. Jahrhundert in Prag den Golem erschuf, entspringt einer alten Legende, die von der Autorin Éliette Abécassis wunderschön wiedergegeben wird. Obwohl der König Maximillian II. und später auch sein Sohn Rudolf einen “Schutz auf ewige Zeiten” für die Juden aussprach, werden diese trotzdem verfolgt. Auch die katholische Kirche beteiligt sich daran. Aus dieser Not heraus und weil immer mehr Juden gejagt oder gar getötet werden, schuf der Rabbi Löw den Golem.

Dieses künstliche Wesen lässt im Leser die Frage aufkommen, was es wohl heißen mag, wenn ein solches in der Welt umherwandelt. Denn es ist Fluch und Segen zugleich. Gerade als der Golem ein Bewusstsein erlangt, zeigt sich, wie gefährlich diese Form der “Schöpfung” sein kann. Daher kann man diese Parabel auch als Kritik an den Menschen sehen, der vielleicht aus einem gutem Grunde heraus, seine Macht zur Erschaffung neuer Wesen nutzt. Aber irgendwann muss er machtlos zusehen, weil sich diese Wesen nicht mehr lenken lassen und eine Gefahr für Schöpfer und andere sind. Vielleicht etwas weit hergeholt, aber durchaus plausibel.

Ich würde “Der Schatten des Golem” nicht als Kinderbuch per se einordnen. Es ist auch kein Buch nur für Erwachsene. Es ist ein Buch für alle Altersstufen und jeder sollte sich das aus der Geschichte herausziehen, was ihm wichtig ist. Mir lag sehr viel an den Illustrationen von Benjamin Lacombe, welche die Handlung auf einzigartige Weise unterstreichen. Die “Handschrift” des Zeichners ist unverkennbar und immer wieder eine Augenweide. Egal wie oft man sich die Bilder anschaut, man entdeckt immer wieder ein neues Detail. Es ist jedesmal ein Erlebnis. Von daher kann ich den Fans und den Neuentdeckern gleichermaßen, dieses Buch ans Herz legen.

Fazit

“Der Schatten des Golem” besticht durch herrliche Illustrationen des Benjamin Lacombe, welche die alte jüdische Legende unterstreichen. Die Autorin Éliette Abécassis hat dieser Legende auf wunderschöner Art und Weise neues Leben eingehaucht. Es ist kein Buch nur für Kinder, aber auch nicht nur für Erwachsene. Es ist ein Werk für alle Altersklassen und sollte auch so betrachtet werden. Ich werde diesen Schatz öfters in die Hand nehmen, denn mit jedem neuen Blick entdeckt man neue Fein- und Schönheiten an der Geschichte und ihren Zeichnungen.

 


Éliette Abécassis & Benjamin Lacombe – Der Schatten des Golem

aus dem Französischen von Anja Kootz

  • ISBN: 978-3-95728-046-6
  • Seiten: 184
  • Erscheinungsdatum: 30. Juni 2017
  • Verlag: Knesebeck
  • Preis: 24,95€

Zur Info- & Verkaufsseite des Verlages

Infos zur Autorin

Homepage von Benjamin Lacombe

 

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