[Rezension] Roe, Robin – Der Koffer

Quelle: Carlsen

 

Robin Roe – Der Koffer
aus dem amerikanischen von Sonja Finck
 | ISBN: 978-3-551-56029-2 | Seiten: 416 | Erscheinungsdatum: 29. März 2017 | Verlag: Königskinder |Format: gebundene Ausgabe | Preis: 19,99€


Kurzbeschreibung

»Wie viele Sterne?«, hat Julians Vater immer gefragt, wenn er ihn abends ins Bett brachte. Zehntausend-Sterne-Tage waren die besten überhaupt. Doch Julians Eltern sind tot. Seit er bei seinem Onkel wohnt, ist ihm ist nichts geblieben als Geheimnisse und ein Koffer voller Erinnerungen. Als Julian seinem Pflegebruder Adam wiederbegegnet, ist er zunächst voller Glück. Adam, der so nett ist und so tollpatschig und trotzdem zu den Coolen gehört. Doch es ist schwierig Vertrauen zu fassen. Und je mehr Vertrauen Julian fasst, desto mehr kommt Adam hinter seine Geheimnisse. Das bringt sie beide in große Gefahr.
Quelle: Carlsen

Autor

Robin Roe hat an der Cornell Universität studiert und ihren Abschluss in Harvard gemacht. Sie war in Boston in der Jugendberatung tätig, bevor sie nach Dallas zog, um sogenannte Risiko-Jugendliche zu betreuen. »Der Koffer« ist ihr Debütroman.

Quelle: Carlsen
 
Meine Meinung

Julian hatte es in seinem Leben nicht leicht. Nachdem er seine Eltern verloren hat, muss der Junge bei seinem Onkel leben, der alles andere als liebevoll mit ihm umgeht. Kurz gehalten und total eingeschüchtert plagt Julian sich durch den Alltag. Als er Adam wieder begegnet, dauert es lange, bis er in irgendeiner Weise Vertrauen zu ihm aufbauen kann. Aber Adam ist ein guter Mensch und schafft es, dass Julian sich immer mehr öffnet. Auf seine Weise zwar, aber es klappt. Doch hat Julians Onkel entschieden was dagegen.

Dieses Buch machte mich echt fertig. Das Schicksal von Julian ging mir so nahe, dass mir zeitweise die Tränen und auch blanke Wut in mir aufkam. Teilweise konnte ich mich in den Jungen und in sein Schicksal hineinversetzen und regelrecht mitleiden. Diese extreme Schüchternheit, die Julian gegenüber anderen Menschen an den Tag legte, kam mir bekannt vor. Diese Angst, etwas falsch zu machen oder einfach etwas falsches zu sagen. Nur dass ich nicht mit so schlimmen Konsequenzen rechnen musste, wie Julian. Und auch wenn Julian so ein stiller Junge ist, hört man die stummen Schreie seiner Angst deutlich heraus. Mir tat dieser Junge leid. Seinen Onkel hätte ich am liebsten auf den ersten Seiten schon das Leben zur Hölle gemacht. Wie kann man nur so grausam zu einem Kind sein?

Aber Julian macht auch eine Entwicklung durch. Seine Freundschaft mit Adam ist die Kraft, die der Junge braucht, um irgendwann den Schrecken zu überleben. Ich fand es toll zu sehen, wie dieser stille Junge von der “lauten” Clique Adams herzlich aufgenommen wurde. Wie sie ihn unterstützten und sogar verteidigen. Adam ist dabei ein besonderer und starker Begleiter, der mich an vielen Stellen an eine Art Engel erinnert hat. Adam ist mutig, rastlos und ruhelos. Ein junger Mann, der nicht still stehen kann und immer auf Draht ist. Aber der so viel Ruhe ausstrahlt, dass sich Julian bei ihm geborgen fühlen kann.

Robin Roe hat mit “Der Koffer” ein so schönes, wunderbar erzähltes aber auch stilles Buch geschrieben. Es ist eine besondere Geschichte, die sich in dein Herz und Kopf brennt. Von der Erzählweise kommt das Buch ein wenig kindlich daher. Das ist der Entwicklung Julians geschuldet aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird. Aber ich würde das Buch keineswegs als Kinderbuch einordnen, denn dafür ist die Thematik einfach zu komplex und zu ernst. Der Schreibstil der Autorin ist einfühlsam und sie schafft es, dass man sich Julian gleich verbunden fühlt. In diesem Buch begegnen einem beim Lesen viele besondere Menschen und die unterschiedlichsten Emotionen. Ein Jahreshighlight, dass ich einfach jedem ans Herz legen möchte. Lest es und ihr wisst warum.

Fazit

Robin Roe hat mit ihrem Debüt “Der Koffer” ein besonderes Buch über einen besonderen Jungen geschrieben. Seine Geschichte brannte sich ins Herz und ins Hirn. Dieser Junge, dessen stumme Schreie so laut aus diesem Buch krochen, findet den Mut und das Leben. Für mich ist dieses Buch schon jetzt ein Jahreshighlight. Es ist ein wunderschönes, einfühlsames Werk über die Stärke der Freundschaft und das Über-Sich-Hinaus-Wachsen.

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3 thoughts on “[Rezension] Roe, Robin – Der Koffer

  1. Huhu!

    Ich habe inzwischen mehrere begeisterte Stimmen zu diesem Buch gehört, ich muss es wirklich unbedingt noch lesen. 🙂 Schöne, fundierte Rezension!

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

  2. Hallo liebe Caro,

    diese Rezension gefällt mir sehr gut und macht große Lust, den Roman zu lesen. Dankesehr! Jetzt hoffe ich, dass Julian sich aus der Wohnsituation mit dem gemeinen Onkel befreien konnte zum Ende hin.

    Hab einen schönen Abend!
    LG, Frauke

  3. Hallo liebe Frauke,

    Danke dir für deinen Besuch und deine Worte. Wegen Julian: Ich will ja nicht spoilern *lach*.
    Les das Buch – es ist wirklich was besonderes. 🙂

    Liebe Grüße und genieße den restlichen Sonntag
    Caro

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