[Rezension] Keller, Ivonne – Hirngespenster

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 03.12.2012                    
Verlag : Droemer/Knaur                
ISBN: 9783426515495
Format: Taschenbuch und Ebook
Seitenanzahl: 400
Sprache: Deutsch
Inhalt:
Das Buch erzählt von den Lebensgeschichten der beiden Schwestern Silvie und Anna sowie der aus den USA stammenden Sabina, die alle auf ihre Art und Weise versuchen, ihr Leben zu meistern.
Silvie, dass wird schnell klar, erzählt in Rückblenden sowie in der Gegenwart, von Ihrem Leben und darüber, darüber wie sie die Schicksale der anderen Protagonisten erlebt hat, Es ist herauszulesen, dass Silvie etwas schlimmes passiert sein muss und sie in der Gegenwart nicht mehr so handlungsfähig ist, wie sie es im „alten“ Leben gewesen war.
Silvie wächst als normale Jugendliche mit ihrer Schwester Anna auf. Sie lernt irgendwann Johannes kennen und auch lieben. Beide haben wenig gutbürgerliche Pläne von ihrem Leben, was die beiden zusammen bringt. Doch Silvie wird schwanger und so müssen die beiden ihre Träume vom Reisen erst einmal ad acta legen. Ihre Ehe wird viele Krisen aushalten müssen, in denen beide jeweils auch ihre Ehepartner betrügen.

Anna wird in ihrem jungen Leben durch einen schweren Schicksalsschlag zurückgeworfen. Sie hat als Jugendliche Leukämie. Diese Krankheit bringt sie dazu, das Leben mit dem nötigen Ernst und einer Vernunft zu betrachten, dass sie und ihre Schwester Silvie sich bald auseinanderleben. Anna entwickelt im Laufe ihres Leben Ticks, Zwangshandlungen und Psychosen. Sie heiratet den Immobilienmakler Matthias und bauen, scheinbar, eine „heile“ Familie mit drei Kindern und einen schicken Zuhause auf. Annas tiefsitzenden Ängste und Psychosen und Matthias‘ Kaltschnäuzigkeit und Gewalt führen bald zu einer Katastrophe.
Sabina lernt Johannes während seines Austauschjahres in den USA kennen und lieben. Sie einigen sich aber, vor seiner Rückkehr darüber, ihre Beziehung zu beenden, Sabina wandert jedoch, um Johannes nah zu sein, nach Deutschland aus und nimmt eine Stelle als Designerin und Einkäuferin an. Zwischendurch betrügt Johannes seine Ehefrau. Sabina beendet jeweils die Affäre, als Silvie zweimal schwanger wird. Sie lernt zwischendurch Alex kennen, bei dem sie glaubt, ihn lieben zu können. Dies ist aber nicht der Fall und sie trennt sich wieder von ihm, weil sie Johannes einfach nicht vergessen kann. Alex nimmt dies sehr gekränkt auf und „bestraft“ sich auch noch dafür. In den Erzählungen aus der Gegenwart erfährt man, dass Sabina und Johannes wieder zusammen sind und die gemeinsamen Kinder von Johannes und Silvie aufziehen und eine dritte Person (vermutlich Silvie) pflegen.

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Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Aufgrund der Erzählungen aus der Gegenwart, verbarg die Geschichte so einige Geheimnisse, die ich gewillt war auf den Grund zu gehen.
Was ist mit Silvie passiert? Warum ist sie quasi handlungsunfähig? Was ist mit Anna passiert? Warum taucht sie in der Gegenwart nicht auf, warum besucht sie ihre Schwester nie?
Diese Fragen und noch viele andere kommen einen in den Kopf und wollen beantwortet werden. Und je mehr man zum Ende des Buches gelangt, umso mehr versteht man auch, um wen es sich bei den Erzähler aus der Gegenwart handelt.
„Hirngespenster“ wird aus der Sicht von Silvie erzählt, die auch über die Lebensgeschichte und Erlebnisse von Anna und Sabina aus ihrer Sichtweise berichtet. Die Kapitel sind nach den Namen der Frauen benannt und Enden fast ausschließlich mit Silvies Gedanken aus der Gegenwart.
Die Schicksale sind teilweise sehr erschütternd, besonders das von Anna, die ihr Leben nur mit Medikamenten und Zwangshandlungen im Griff hat.
Silvies Schicksal hat mich von Anfang an nachdenklich gestimmt, da ich ihre Gedanken auch aus meiner beruflichen Sicht betrachtet habe. Wir wissen nicht, inwiefern das Denken bei körperlich und/oder geistig behinderten Menschen vorhanden bzw. nicht vorhanden ist. Ich fragte mich daher oft, was wohl meine Betreuten wahrnehmen. Was denken sie, wenn ich mit ihnen arbeite? Das führte auch dazu, dass ich das Buch nicht weglegen konnte.
Zum Ende hin klärt sich vieles auf und ich finde, dass es ein schönes Ende ist, weil alle Frauen mit ihrem alten Leben Frieden schließen.
Von mir gibt es für dieses Buch eine absolute Lese-empfehlung und 5***.

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